Es ist schon irgendwie erschreckend: Autohersteller verbringen jede Menge Zeit damit, uns einzureden, dass sie ein Fahrzeug genau für uns entwickelt haben und dass wir über eine ewige Zeit mit diesem perfekten Auto irre zufrieden sein werden. Sie sagen uns, dass es enorm haltbar ist und wie viel Mühe sie sich gegeben haben, es noch entschieden langlebiger zu machen. Dann sagen sie uns 7 Jahre später, dass alles Blödsinn war – das NEUE MODELL – das ist jetzt wirklich langlebig und passt zu dir viel besser als das alte Ding…

Schrottpresse oder Politur – das ist hier die Frage

Und ja: Bei vielen funktioniert das ganz gut: Wenn in Deutschland ein Auto in die Schrottpresse landet, ist es im Schnitt 11,6 Jahre alt. Bis dahin hat es im Durchschnitt 4,3 Besitzer gehabt. Der zweite Besitzer hat es am längsten besessen, der letzte etwas kürzer, oft unfreiwillig…

Tatsächlich haben wir uns neulich mal die Mühe gemacht, unsere Fahrzeughistorie anzusehen. Mit 7 Leuten am Tisch kamen das spektakuläre 241 Fahrzeuge zusammen, was nicht nur daran lag, dass wir unsere Autos öfter gewechselt haben. Wir hatten auch oftmals 3 oder sogar 4 Fahrzeuge parallel.

Wenn wir uns nun angesehen haben, wie alt die waren, dann kommt etwas Erstaunliches dabei heraus.

Während die Autos im Schnitt mit 139 Monaten in die Presse gehen, waren unsere IM SCHNITT bei der Anschaffung 121 Monate alt. Nun kommt hinzu, dass einige von uns durchaus Neuwagen besessen haben – oftmals Dienstwagen, die 0 Monate alt waren oder den Familien-Van, der unbedingt neu sein musste, weil „alte Autos ständig Pannen haben“. 🙂

Rechnen wir die raus, liegen wir bei einem Durchschnittsalter von 138 Monaten.

Rein statistisch betrachtet haben wir unsere Autos also stets einen Monat vor der Schrottpresse gekauft… Einige von denen haben wir mehrere Jahre gefahren.

Der älteste der Langläufer: Ein Passat L von 1975. Erworben mit 360 Monaten auf dem Buckel, gefahren bis 442.

Interessant dabei auch: Der Durchschnittsdeutsche, der seinen Neuwagen nach 46 Monaten veräußert, verliert dabei im Schnitt 44% des Listenpreises – aktuell sind das immerhin 36430 Euro. In anderen Worten: 16029 Euro verbrennen in 46 Monaten, also 348 Euro im Monat.

Für den zweiten Besitzer wird es schon charmanter. Behält er das knapp 4 Jahre alte Auto so lange wie der erste, kostet ihn der reine Wertverlust des Autos nur noch 181 Euro, also grob die Hälfte.

Wie sah das bei uns aus? Nehmen wir mangelnde Präzision bei der Erinnerung mal raus, die das Ganze vielleicht hier und da in die eine oder andere Richtung verzerrt: Die Autos, die in dieser Dimension Geld gekostet haben, haben im Schnitt 59 Euro monatlich verschlungen. Jedoch: Diverse andere sind im Wert gestiegen – Rekord dabei: 660 Euro monatlich bei einer sehr sehr kurzen Haltedauer 😉

In Summe haben uns die Autos im Bereich Wertverlust somit nur 29 Euro gekostet – und waren dennoch gute Hingucker, die man im Straßenverkehr oft nicht mehr gefunden hat.

Wir können nicht ausschließen, dass wir die eine oder andere Reparatur mehr hatten als der Neuwagen-Besitzer. Das können wir nicht mehr quantifizieren – zumal da ja auch häufig die „Kasten-Bier-Währung“ im Spiel war.

Wenn euch aber das nächste Mal jemand etwas erzählen will über die bösen Youngtimer, die die Umwelt verschmutzen… Wir haben statistisch betrachtet praktisch nur Autos gefahren, die jemand anders weggeschmissen hätte. Am anderen Ende der Kette wäre dafür also ein neues Auto produziert worden. Wer hat jetzt gewonnen? 😉

 

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