In den 70ern und 80ern gab es aus unserer Sicht keinen sorgloseren Konzern als General Motors. Die routinierte Planlosigkeit, mit der hier im Jahrestakt neue Fahrzeuge auf den Markt geworfen wurden, sucht seinesgleichen.

Mein Vater regte sich damals noch über die „ständigen Modellwechsel“ der Japaner auf, weil das ja den Wiederverkaufswert so herabsetzte. Amis sahen das ganz anders: Mehr Chrom auf der Heckflosse, breitere Rückleuchten, ein neuer Schwung in der Stoßstange: Neues Modell fertig 😉
In aller Fairness: Die Kisten sahen ja dennoch irgendwie geil aus. Die vermitteln sogar einen gewissen Fahrspaß – zumindest, solange man mit denen nur geradeaus fahren will. Ein Zielfernrohr wie dieses etwa – Eichenlaub der Chromklasse in einer Ausgestaltung, die schon fast lächerlich ist. Weit wichtigere Teile eines GMs der 80er wurden mit deutlich weniger Liebe gefertigt.

Die Stoßstange! Hooka hey! Zeuge uns ein deutsches Auto aus der Zeit mit solch einer schwülstigen Chromeinheit. Dagegen wirkt die legendär protzige Doppelstoßstange des W116 schon fast zurückhaltend und filigran.

Das Schwierigste beim Fotografieren war in der Zeit, sich nicht in der Stoßstange zu spiegeln.

Holz vom Imitatenbaum? Vermutlich. Echte Bäume haben Amis damals nur für Häuser gefällt. Es muss damals Designer gegeben haben, die erstaunt gewesen wären, wenn sie einmal eine echte Maserung zu Gesicht bekommen hätten…

So einen schon mal gefahren? Plötzlich begreifst du, was das Wort Seitenführung wirklich bedeutet: Das ist das, was du in der ersten Kurve vermisst, wenn du dich peinlicherweise auf dem halbnackten Oberschenkel deiner Beifahrerin abstützen musst…

Hier gibt es so unfassbar viele bemerkenswerte Details, oder? Frage eins: Worauf mal der Automatikwählhebel gerade stehen? Dem Ausschlussverfahren nach muss es ein P sein – aber wie soll man das lesen? Nächste Frage: Warum ist die Entfernung zwischen P und allem anderen fünfmal so groß? Oder: Warum werden P, R, N und L auf das Nötigste abgekürzt – aber D wird ausgeschrieben? Vielleicht, damit man es auch lesen kann, wenn die rote Anzeige gerade darüber steht? Wir wissen es nicht.

Ähnlich spannend die Frage: Nach welcher Umrechnungstabelle wurden hier Meilen und Kilometer transferiert? Bei 50 Meilen stimmen die 80 KM/H – aber in welcher Welt stimmen die 20 KM/H? Und: Endet der Tacho bei 85, weil der Wagen wirklich nicht schneller fährt oder nur, weil den Designern das gefiel? Und ganz am Rande: Niemand rechnete damit, dass so ein Wagen mit seinem 5,7er V8 länger als 100.000 Kilometer hielt…

Sorglosigkeit der Extraklasse!

„Jim – wo haben wir dann bei der Konstruktion die Mulde für das Ersatzrad hingezeichnet?“
„Die Mulde für das Ersatzrad…? Oh Mist…“ Jim kratzte sich am Kopf. Damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte an dem Abend, bevor sie den Kofferraum gezeichnet hatten, 6 Tequila gehabt. Er war kaum in der Lage, sich zu erinnern, dass er überhaupt ein Ersatzrad vorgesehen hatte. Und was verbarg sich unter dem Zapfenschloss des Kofferraums? Hatte er dort etwa den Tank…? An der Stelle, wo jeder Auffahrunfall zur Todesfalle.
„Pass auf, George – sag das keinem … Wir werfen das Ersatzrad einfach so in den Kofferraum. Wer benutzt schon den Kofferraum…?“
„Das können wir unmöglich machen!“
„Wir könnten einen Teppich drüber ziehen – wie wäre das?“


Ernsthaft? Die Bedieneinheiten sind alle links? Warum? Damit die Beifahrerin sich nicht in Fragen der Klimatisierung einmischen kann. Der Schalter oben links war irgendwo auf Jims Ranch abgebrochen. Er hatte sich schon seit Wochen gefragt, wo der eigentlich hingekommen war….

 

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