Du siehst einen Typen an einem 82er Golf GTD stehen. Er hat die Hand seiner Freundin achtlos fallen lassen.

Ich kann auf die Entfernung unmöglich hören, was er sagt – aber ich verstehe dennoch jedes Wort. Er demonstriert ihr den gigantischen Fortschritt bei den Rückleuchten, die der Golf seit dem Facelift hat. Seine Hände erläutern die Dimensionen. Er lächelt und sein Gesicht hat sich aufgehellt. Der Typ wird so um die 40 sein. Als der Golf gebaut wurde, lag er vielleicht in den Windeln. Vielleicht noch nicht einmal das.

Die Facelift-Rückleuchte des ersten Golfs wirkte gigantisch – und war ein signifikanter Fortschritt. Nie waren Rückleuchten später wieder so groß wie in den 80er Jahren

Er steht jetzt an der Seite des Wagens und erklärt ihr, dass der GTD die Rallyestreifen des GTI hatte. Woher ich das weiß? Ich würde genau das Gleiche sagen. Und er strahlt. Von innen heraus. Ich kann seinen Puls bis hier drüben schlagen hören.

In meinem Kopf zieht der Fetzen eines alten BAP Songs vorbei „In seinem Rallye-Streifen Opel GT…“ War ein zynischer Song. Komme gerade nicht auf den Titel, aber ganz sicher: Käme er jetzt im Radio – ich könnte fehlerfrei mitsingen. Erinnerung, die ein Teil meiner DNA geworden ist.

So wie der Einser Golf – Typ17. Ich weiß genau, wie der erste GTD sich fährt. Ich bin mit dem mehrmals bis nach Wien gefahren. Ohne Navi. Automobile Kultur, die ich meinen Kindern nur schwer vermittelt bekomme, wenn die sich ins Auto setzen und sagen „Okay, Google – WIEN!“ und losfahren. Aber ich will es vermitteln. Ich war dabei.

Noch im Stil der 70er – geprägt von einem italienischen Designer. Dezente Rückleuchten am Golf 1 der ersten Serie

Deine erste Fahrt mit Navi vergisst du nie. Meine ging nach Kellmünz an der Iller. In einem Mercedes W210. 1998 war das. Auf dem Rückweg hat das Ding die CD nicht mehr einlesen wollen – und sofort habe ich mich furchtbar verfahren.

Jetzt zeigt der Typ ehrfurchtsvoll aufs Dach des Typ17. Ich wette, er sagt ihr jetzt, dass es den Wagen damals nicht in dieser Farbe gab. Woher ich das jetzt weiß? Ich hab den Wagen selbst in Mexicobeige lackiert. Beim 1er-Golf macht das Spaß: Alle Teile, die dir dabei im Weg sind, schraubst du einfach mal eben ab. Versuch das mal beim ID3. Vermutlich braucht man dafür eine Ausbildung als Starkstrom-Elektriker oder so.

Ich werde den ID3 nicht schlecht reden (so heißt doch der Elektrogolf heute, oder?) – der ist schön leise und so. Fährt sich nicht schlecht. Aber mit ihm hat VW einen neuen Höhepunkt an Blutleere erreicht. Ist so wie Chrystal Coke light gegen Barolo. Ist auch ein Getränk, irgendwie.
Aber ja … Mei …

Das Beste an Mexicobeige: Die knallharte Unempfindlichkeit gegen Schmutz 😉

Und deshalb müssen wir das hier wiederbeleben. Weil es genau die Art Fahrzeug-Kultur ist, an die wir erinnern wollen und werden. Die Regeln sind einfach: Automobile Querdenker sind herzlich willkommen – alle anderen bleiben unter sich. Die Regelmäßigkeit von früher bekommen wir nicht mehr hin. Und hin und wieder werden wir auf eine unserer Neuerscheinungen hinweisen. Das ist der Preis – aber es zwingt euch ja niemand.

Also: lehnt euch zurück, genießt es, macht mit, wenn ihr was zu melden habt – signing in – movin‘ on.

 

 

 
2 Gedanken zu „Signin‘ in – movin on“
  1. Moin,

    war „Ne schöne Jrooss“ von BAP.
    Jede Zeile (echt jede) haben wir damals auf den Konzerten mitgesungen – und dann mit der S-Bahm heim. Nix Golf, nix GT. War mit Studi-Budget nicht drin.

    BTW: toller Text – geiles Kopfkino 🙂

     

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.